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Für eine Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide

Sie finden sich überall: im Trinkwasser, im Gemüse, im Obst, im Getreide, in der Milch, im Bier – in vielen unserer Lebensmittel. Und in uns selbst: im Gewebe, im Urin, in der Muttermilch. Überall da, wo sie nicht hingehören und nicht hingelangen sollen, finden wir die giftigen Hinterlassenschaften der industrialisierten Landwirtschaft, die Rückstände der synthetischen Pestizide. Ihr weltweiter Einsatz ist zu einem gewaltigen Vernichtungsfeldzug geworden, der vielen Pflanzen und Tieren auf dem Land das Überleben unmöglich gemacht hat. Es ist höchste Zeit, das Gift von den Äckern zu verbannen und wieder mit der Natur und dem Leben zusammenzuarbeiten. Das Buch „Das Gift und wir“ der Bio-Stiftung Schweiz zeigt auf, wie die synthetischen Pestizide zur Bedrohung wurden und wie es ohne sie weiter gehen kann und muss.

Das Anliegen hat aktuelle Brisanz, denn im Juni 2021 finden in der Schweiz Volksabstimmungen über zwei Initiativen statt; die Initiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide sowie die Initiative für sauberes Trinkwasser. Eine große Chance, einen wesentlichen Schritt in Richtung einer Landwirtschaft zu machen, welche der Natur und Umwelt Rechnung trägt, natürliche Prozesse begünstigt und das Leben in all seiner Vielfalt schützt und entfalten lässt – hin zu einer ökologischen/ biologischen Landwirtschaft.

Die Bio-Stiftung Schweiz hat im Vorfeld der Abstimmungen aufwändig gestaltete Videos produziert, die mit den Mythen über Pestizide – „Ohne Pestizide brechen die Erträge ein“, „Ohne Pestizide werden Lebensmittel teurer“, usw. – aufräumt und diese Schritt für Schritt fundiert widerlegt. Hier finden Sie die Videos: https://www.pestizidmythen.ch/

Pestizide, auch Pflanzenschutzmittel genannt, sind chemisch synthetische oder biologische Stoffe und Stoffkombinationen. Sie haben eine toxische Wirkung und werden mit dem Ziel der Bekämpfung von Pilz- und Viruserkrankungen bei Pflanzen, zur Vernichtung von Schädlingen und Unkraut sowie als Pflanzenwachstumsregulatoren hergestellt und angewendet. Synthetische Pestizide sind meistens stärker in der Wirkung, haben aber oft unerwünschte Nebenwirkungen auf Mensch und Mitwelt. Ihre Abbaustoffe, Metaboliten genannt, verbleiben manchmal während Jahrzehnten in den Böden und Gewässern.

„Das Gift und wir“

Wir leben im »Anthropozän«, dem Zeitalter, in dem wir Menschen zum wichtigsten Einflussfaktor auf biologische, geologische und atmosphärische Prozesse der Erde geworden sind. Einer unserer stärksten Eingriffe in die Biosphäre ist die weltweite Ausbringung synthetischer Pestizide. Wir haben die Landwirtschaft industrialisiert und so sehr abhängig gemacht von diesen Giften, dass viele glauben, ohne ginge es nicht. Und das, obwohl seit fast hundert Jahren die inzwischen weit entwickelte biologische Landwirtschaft jeden Tag beweist, dass Nahrungsmittel ohne den Einsatz synthetischer Pestizide in ausreichender Menge und besserer Qualität hergestellt werden können.

Allein aufgrund ihrer Wirkungsweise, der Vernichtung von Organismen, stellen Pestizide eine Bedrohung für die globale Biodiversität dar. Denn sie vernichten viele Pflanzen und Tiere, die gar nicht »gemeint« sind, aber wichtig für Pflanzenbestäubung, Nährstoffkreisläufe und Bodenfruchtbarkeit. Durch den Rückgang der Biodiversität wird die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen zusätzlich geschwächt, sie werden anfälliger für Krankheiten, Dürren und Starkregenereignisse. Der Rückgang an Insekten, pflanzlicher Biodiversität, Feldvögeln oder Fledermäusen, gefährdet letztendlich auch die natürliche biologische Kontrolle von Schaderregern und verstärkt damit die vermeintliche Abhängigkeit der Landwirtschaft von Pestiziden.

In diesen Teufelskreis, der unsere Gesundheit und unsere langfristige Versorgung mit Lebensmitteln gefährdet, haben wir uns selbst begeben. Es ist Zeit, dass wir ihn verlassen und die Landwirtschaft weltweit neu aufstellen – ohne synthetische Pestizide!

Die Autoren des Buches sind über 30 renommierte Expertinnen und Experten aus aller Welt; unter anderem Prof. Dr. Vandana Shiva, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Dr. Peter Clausing und André Leu.

Mathias Forster

Mathias ForsterMathias Forster, geboren 1973 in Aegerten bei Biel, war nach seiner kaufmännischen Ausbildung viele Jahre in internationalen Unternehmen tätig und Mitgründer und Geschäftsführer der Schweizer Trigon Stiftung, die er bis 2017 geleitet hat. Von 2009 bis 2018 war er zudem Stiftungsrat und Geschäftsführer der Asta Blumfeldt-Stiftung. Er hat den Bodenfruchtbarkeitsfonds der Bio-Stiftung Schweiz mitgegründet und ist Vorsitzender der Projektleitung. Seit 2017 ist er als Stiftungsrat und Geschäftsführer der Bio-Stiftung Schweiz tätig.

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