/Kommentare/Dream on, Heathcote! Der geniale Künstler, ständige Aktivist und ewige Träumer Heathcote Williams ist gestorben

Dream on, Heathcote! Der geniale Künstler, ständige Aktivist und ewige Träumer Heathcote Williams ist gestorben

Am Sonntag, dem 2. Juli verstarb Heathcote Williams im Alter von 75 Jahren. Ein schwerer Verlust, nicht nur für die, die seine Bücher schätzten. Zuletzt erschienen von ihm  „Royal Babylon“ in deutscher Übersetzung im Westend Verlag und sein Kommentar zu Boris Johnson – „The Beast of Brexit“. Lesen Sie hier einen Nachruf von Matthias Bröckers.

 

Vor ein paar Monaten hatten wir noch gemailt, er hatte mir sein „investigative poem“ über den afghanischen Ghandi geschickt: „Baadshah Khan – Islamic Peace Warrior“, das ich gerne auf Deutsch herausbringen wollte. Nun meldet der Guardian, dass Heathcote Williams mit 75 Jahren in seinem Haus in Oxford gestorben ist.

Er war das, was man ein Multitalent oder Genie nennt: Maler, Bildhauer, Theaterautor, Schauspieler, Zauberer, Erzähler, Poet, Schriftsteller – und was andere Künstler dieses Kalibers nach dem Sturm und Drang junger Jahre gern ablegen, das blieb er bis zum Ende: radikal, anarchistisch, politisch aktiv. Kollegen wie Samuel Beckett, Harold Pinter, William Burroughs bewunderten seine Arbeiten, einer seiner größten Fans, Al Pacino, finanzierte seinen Film „The Local Stigmatic“ und spielte die Hauptrolle; Heathcote selbst trat in zahlreichen Filmen auf , etwa als Prospero in Derek Jarmans Shakespeare-Verfilmung „The Tempest“.

Von seinen zahlreichen Büchern kam mir zuerst „Der Immortalist“ in die Hände, ein „alchemistisch-utopisch-anarchistisches Gespräch mit einem 278-Jährigen“, das Werner Pieper bei der Grünen Kraft herausgebracht hatte. Dann kamen in den 1980er Jahren seine wunderbaren Werke „Der Kontinent der Wale“, „Elefanten“ und „Autogeddon“ großformatig bei Zweitausendeins heraus. Bücher, die zu Standardwerken der ökologischen Sensibilisierung für den Terror der Jagd und des Autoverkehrs wurden.

Heathcote Williams

Mit Germaine Greer hatte Heathcote Williams in den frühen 1960ern die Zeitschrift Suck für „sexuelle Befreiung“ gegründet, 1972 reüssierte er als gefeierter Theaterautor mit der an Antonin Artaud und Marshall McLuhan geschulten Hippie-Performance „AC/DC“ und produzierte seitdem regelmäßig Stücke für Theater und Film. Mit der artistischen Online-Wiederbelebung der International Times, des britischen „Newspaper of Resistance“, hatte er dann später eine Netz-Plattform zur Veröffentlichung seines stets ebenso poetischen wie subversiven Materials.

 

Als mir sein ehemaliger deutscher Verleger, Lutz Kroth, 2015 das investigative poem Royal Babylon über die Windsors zuschickte, konnte ich die Freunde vom Westend Verlag überzeugen, dass dieses anklagende Gedicht samt seinen dokumentierenden Fußnoten doch genau das Richtige sei zum anstehenden Besuch der Queen in Deutschland: Die Windsors – Eine schrecklich nette Familie. Auch in England machten diese scharfen Worte Furore, nachdem die britische „Stop The War“-Koalition einige Passagen daraus veröffentlichte – und die kriegstreibende Elite den ungeliebten Labour-Kandidaten Corbyn mit dieser „schändlichen Schmähschrift“ beschmieren wollte.
Bis zum Ende waren die Worte dieses Dichters immer ein Dorn im blumigen Geschwalle des Mainstreams, wie auch sein letztes Werk über den amtierenden Außenminister The Beast of Brexit – Boris Johnson, es waren Widerworte des Zorns und der Wut über den Horror der Realen. Doch immer auch, und sei es noch so metaphorisch, gespeist von der Vision einer unbändigen Freiheit und allumfassenden Liebe. Kein Wunder also, dass seinen Nachrufern Vergleiche mit literarischen Heroen wie dem Polemiker Shelley – über den er ebenfalls geschrieben hat – und dem Visionär William Blake einfallen. Er war ein Großer, als genialer Künstler, als ständiger Aktivist und als ewiger Träumer: „Dream for us in the great beyond and we will listen to you Heathcote.“

 

  • Facebook
  • Twitter
  • Google+

Mathias Bröckers

Mathias BröckersMathias Bröckers ist freier Journalist, der unter anderem für die taz und Telepolis schreibt. Neben Artikeln, Radiosendungen und Beiträgen für Anthologien veröffentlichte er zahlreiche Bücher. Seine Werke „Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“ (1993) und „Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.“ (2002) und zuletzt „Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers“ (2014) wurden internationale Bestseller.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Ein- bis zweimal monatlich informieren wir Sie über Neuerscheinungen, aktuelle Kommentare und weitere interessante Aktionen

Folgen Sie uns auf Facebook

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Auf dieser Website wird das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke verwendet. Mit Hilfe eines Cookies kann so nachvollzogen werden, wie unsere Marketingmaßnahmen auf Facebook aufgenommen und verbessert werden können. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzbelehrung. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen